Glück und Zufriedenheit – was ist der Unterschied?
Mittwoch, 24. Okt 2007 6:54 von Wolff Horbach

Lange Zeit habe ich die Begriffe Glück und Zufriedenheit für austauschbar gehalten. Aber im Laufe der Zeit bin ich klüger geworden. Mir ist klar geworden, dass eine Kultur durch ihre Sprache immer dann ein neues Wort prägt, wenn es Unterschiede gibt. Auch wenn es nur Nuancen sind.
Nach dem Studium von vielen Büchern und Berichten der Glücksforschung ist mir klar:
Glück ist das augenblicklich Erlebte. Glück findet immer nur JETZT statt.
Zufriedenheit ist eine Bilanz über das Erlebte. Jemand, der viele Glücksmomente erlebt hat, ist zufrieden.
Wenn also Menschen gefragt werden, wie glücklich sie seien, dann ist eigentlich die Zufriedenheit gemeint bzw. das Glück aus der Vergangenheit.
Sehen Sie das auch so?
Hier schreibt

Der Argumentation kann ich mich anschließen. Sie bringt etwas Differenziertheit in die Begriffe. Danke für die Aufklärung, die ich mal so in mein internes Wörterbuch übertrage.
Es ist besser “Viele Grüße vom trüben Bodensee” zu schreiben, als “Trübe Grüße vom Bodensee”
Jörg
[...] Kommentare « Glück und Zufriedenheit – was ist der Unterschied? [...]
Hallo!
Wie es der Zufall so will, habe ich mich vor nicht allzu langer Zeit auch mit der Definition von “Glück” und “glücklich sein / Zufriedenheit” beschäftigt. Das oben gesagte könnte man noch ergänzen:
Glück ist eine emotionale Angelegenheit und
glücklich sein / Zufriedenheit ist eine Denkleistung (analog “Bilanz”).
Herzliche Grüße!
Sonja M. Berndl
@ Sonja:
Danke für zusätzliche Erklärung.
Nachträglich noch bei Stefan Klein in “Die Glücksformel” gefunden:
Ich hatte mir bisher noch keine Gedanken über den Unterschied zwischen Glück und Zufriedenheit gemacht. Die Definition, die Du schreibst, ist für mich absolut nachvollziehbar. Der Weg zur Zufriedenheit ist für mich die Achtsamkeit. Das Geschenk der Achtsamkeit liegt darin, sehr aufmerksam für die täglichen Momente des Glücks zu werden und somit die Zufriedenheit immer mehr zu steigern.
@ Cordula:
Mit der Achtsamkeit hast du einen sehr zentralen Schlüssel zum Glück gefunden. Dies verdeutlicht auch die Geschichte vom alten Zen-Meister.
[...] Zufriedenheit der Mitarbeiter (ich rede lieber von Glück, weil sich Zufriedenheit aus der Bilanz der Glückserlebnisse ergibt), ist also ein ganz sensibler Faktor. Halt der Faktor G. Und dieser entscheidet ganz stark mit, ob [...]
wie würdet Ihr dennn die Eudaimonia.. oder Glückseelichkeit beschreiben? (hapiness)
-> Ich bin an meiner Abschlussarbeit:
das Streben nach Glück
nun bin ich bisschen am Forschen… lg
@ Nicole:
Ich denke Eudaimonia im Griechischen, happiness im Englischen und Glückseligkeit im Deutschen drücken das gleiche aus.
Dagegen ist der Begriff Glück im Deutschen mehrdeutig: Er kann Glückseligkeit bedeuten (ich fühle jetzt ganz viel Glück), Zufallsglück (ich hatte viel Glück und habe 100 Euro gewonnen) oder das Vermeiden von Unglück (zum Glück hat das Auto mich nicht erwischt).
Ja, die Zufriedenheit ist eine Bilanz über das Erlebte. Jemand, der viele Glücksmomente erlebt hat, ist zufrieden.
Aber: Die Zufriedenheit ist der Humus für emotionale Glücksmomente.
Die wichtigsten Parameter der Zufriedenheit sind die eigene Gesundheit bzw. die Gesundheit der Familie, das Aufwachsen in einem intakten Elternhaus, Freunde, Partnerschaft, Freiheit von Geldsorgen und ein sicherer Arbeitsplatz mit entsprechender Selbstbestimmung.” (Ergebnis einer Studie in Deutschland)
Wer nicht gesund ist, in einem zerütteten Elternhaus lebt, keine Freunde hat, in einer unglücklichen Partnerschaft lebt, von Existenzängsten geplagt wird, keine Anerkennung und Würde auf seinem Arbeitsplatz erlebt – dem werden emotionale Glücksmomente weit seltener begegnen.
Hallo,
die obige Unterscheidung Glück und Zufriedenheit finde ich interessant, habe aber an der Zufriedenheitsdefinition meine Zweifel. Für mich hat Zufriedenheit etwas mit der Einstellung zum Leben zu tun und weniger mit dem Vorhandensein von Glücksmomenten. Wenn die Zufriedenheit nur eine Bilanz von Glücksmomenten wäre, würde dann jemand, der sich von einem Glücksmonent zum anderen puscht – und schlußendlich auch davon abhängig wird – zufrieden sein? Schließlich lösen sehr unterschiedliche Aktionen in unseren Körper Glücksgefühle aus: Erfolg, Zusammensein mit Freunden, Drogenkonsum, Sex, ein Waldspaziergang, Kauf von mehr oder weniger nützlichen Dingen, das Lachen eines Kindes …
Je nachdem wie meine Wertung von solchen Glücksgefühlen ist, werde ich bestimmte Glücksgefühle verstärkt erleben oder anderen ständig hinterherjagen.
Insofern ist für mich die Zufriedenheit eine Definition des Lebens, welche in meinem, Kopf stattfindet. Hier kann m.E. der Anspruch “glücklich werden zu müssen” oder auf eine erfolgreiche “Glücksbilanz” zurückblicken zu gepaart mit einer problematischen Wertung von Glücksgefühlen die Quelle von ziemlicher Unzufriedenheit sein.
Viele Grüße
Joachim
Ja, ich denke auch Ihre Unterscheidung von Glück und Zufriedenheit passt. Damit zeigt sich für mich auch, dass Zufriedenheit kostbarer ist als Glück.
lg DL
Halloo (:
Ich bin die Zeynep..
Und schreibe Morgen über dieses Thema eine Arbeit in Ethik!
Es ist so : Wir müssen Definitionen über Solche Begriffe schreiben
z.B. Glück, Sinn, Gewisse, Verantwortung, Vorbild…(etc.)
Könnten Sie vielleicht eine KLARE definition über Glück schreiben.
Ich hoffe auf eine Antwort!
Lg Zeynep (: 8.Klasse
@Zeynep: Es gibt unglaublich viele Definitionen von Glück, die beginnen mit “Glück ist, …”, z.B. “Glück ist, geliebt zu werden”.
Das sind aber m.E. keine Definitionen von Glück, sondern Auslöser für Glück, oder besser gesagt: Auslöser für Glücksmomente.
Meine Definition: Glück ist ein positives Gefühl, hervorgerufen durch die Ausschüttung von Neurotransmittern (landläufig: Glückhormonen) in den Motivations- und Belohnungszentren unseres Gehirns.
Das ist etwas wissenschaftlich – einer meiner Zuhörer hat mal bei einem Vortrag gesagt: “wie unromantisch”, trifft aber den Kern. Verkürzt kann man sagen: “Glück ist ein positives Gefühl” oder etwas poetischer: “Glück ist das höchste der Gefühle”.
Viel Glück bei der Arbeit!
Hi!
Also meiner meinung nach ist Zufriedenheit nicht einfach die Langzeitform von Glück. Ich glaube das Zufriedenheit ehr den rational denkenden teil von uns beschreibt, Glück jedoch mehr so etwas wie ein geisteszustand ist… Ich kann z.b sehr zufrieden mit mir sein, würde aber für mein persönliches Glück noch andere faktoren mit einbeziehen…
Schade, dass das die einzige Beschreibung zum Unterschied zwischen Glück und Zufriedenheit ist, die ich gefunden habe. Eine interessante Definition. Ich hatte, als ich für mich selbst darüber nachgedacht habe, aber noch einen etwas anderen Ansatz im Kopf:
Zufrieden ist man immer MIT etwas. Zufriedenheit mit seinen Lebensumständen ist die Basis für das, Gefühl “Glück”. Zufrieden ist derjenige, dessen Bedürfnisse erfüllt sind. Ich bin zufrieden, wenn ich Sex hatte oder gut gegessen habe. Wenn ich notgeil oder hungrig bin, kann ich nicht glücklich sein. Wenn ich zufrieden bin, bin ich es nicht zwangsläufig, aber es ermöglicht mir zumindest, glücklich zu sein.
Das widerspricht auch nicht der o.g. Definition, setzt nur andere Schwerpunkte. Zufriedenheit entspringt der Bilanz über das Erlebte, eben mit dem Fokus auf Bedürfnisbefriedigung. Glücklich ist man im Moment, aber eben bedingt auf die vorhandene Zufriedenheit.
Haltet ihr die Definition für sinnvoll oder verdrehe ich nur gerade festgesetzte Begriffe, um sie meinen eigenen Empfindungen anzupassen?
@ Jean: Glück ist eindeutig ein Gefühl, was nur JETZT gefühlt und erlebt werden kann.
Das man zufrieden nur MIT etwas sein kann, unterschreibe ich. Aber dann ist man schon in einem Denkprozess und nicht mehr im Gefühl. Wenn ich MIT etwas zufrieden bin, habe ich einen Referenzpunkt. Ich vergleiche das Erreichte mit einem vorher gesteckten Ziel, mit anderen, mit meinem bisherigen Leben etc.
Ich bin mir sicher, dass die Verwechselung von Glück und Zufriedenheit daher kommt, dass das Bilanzziehen – Feststellen, ob ich zufrieden bin – wieder ein Glücksgefühl auslöst, sofern die Bilanz positiv ist. In diesen Sinne macht Zufriedenheit schon ein Stückchen glücklicher, ist aber nicht die Basis für Glück. Der Ursprung für Zufriedenheit liegt eindeutig bei positiven Erfahrungen – eben Glück.