Was kostet ein unglücklicher Mitarbeiter?
Mittwoch, 31. Okt 2007 7:05 von Wolff Horbach

Ein Zyniker könnte auf diese Frage antworten: Genau so viel wie ein glücklicher Mitarbeiter. Ich möchte aber herausfinden, wie viel dem Unternehmen entgeht, indem der Mitarbeiter nicht glücklich und zufrieden arbeitet, sondern nur dahinkümmert.
Also fangen wir einmal an zu rechnen:
- Mit dem Mitarbeiter ist ein Monatsgehalt von 4.000 Euro vereinbart. Macht ein Leistungsentgelt von 48.000 Euro jährlich.
- Die Sozialkosten (Lohnzusatzkosten) betragen ca. 70%, in manchen Branchen sogar noch mehr. Machen aufgerundet 34.000 Euro.
- Das sind in der Summe 82.000 Euro.
- Das Unternehmen muss aber den Mitarbeiter auch unterbringen (Gebäude, Strom, Heizung, …) und mit Arbeitsmitteln (Auto, Computer, Büroausstattung, …) versehen. Letztere hängen natürlich stark vom Arbeitsgebiet ab. Seihen wir großzügig und nehmen einmal nur 18.000 Euro pro Jahr an.
- Dann würde bis hierher der Mitarbeiter schon mal 100.000 Euro im Jahr kosten.
Das Unternehmen ist natürlich kein Wohltätigkeitsverein, sondern erwartet vom Mitarbeiter eine Gegenleistung, die die Kosten übersteigt. Ansonsten würde ein Anstellung keinen Sinn machen. Also erwartet das Unternehmen vom Mitarbeiter einen Gewinn:
- Wenn das Unternehmen einen Gewinn von 20% erwartet, dann müsste der Mitarbeiter pro Jahr 120.000 Euro erwirtschaften.
- Das wären auf den Mitarbeiter bezogen 100% Leistung.
Was passiert aber, wenn der Mitarbeiter im Unternehmen nicht glücklich ist, weil
- sein Talent nicht erkannt und/oder genutzt wird
- eine schlechte Führung zur Leistungsverweigerung veranlasst
- ein schlechtes Betriebsklima eher zu Dienst nach Vorschrift verleitet?
Klar, der Mitarbeiter bringt dann eben keine 100% Leistung, sonder weniger. Die Wirkungen sind fatal:
- Reduziert der Mitarbeiter seine Leistungen bewusst oder unbewusst auf 90% (klingt immer noch sehr hoch), dann hat das Unternehmen statt der erwarteten 20% Gewinn nur noch 8%. (120 x 0,9 = 108). Also: Die Reduzierung von “nur” 10% der Leistung drittelt fast den erwarteten Gewinn.
- Reduziert der Mitarbeiter sein Leistungen auf 80%, dann hängt das Unternehmen bereits mit 4.000 Euro in den roten Zahlen.
- Fährt der Mitarbeiter seine Leistungen auf 50% zurück, dann kostet das dem Unternehmen jährlich 40.000 Euro.
Gallup zeigt mit seinen jährlichen Untersuchungen, dass diese Zahlen nicht aus der Luft gegriffen, sondern leider traurige Realität sind.
Die Zufriedenheit der Mitarbeiter (ich rede lieber von Glück, weil sich Zufriedenheit aus der Bilanz der Glückserlebnisse ergibt), ist also ein ganz sensibler Faktor. Halt der Faktor G. Und dieser entscheidet ganz stark mit, ob es einem Unternehmen gut geht oder nicht.
Hier schreibt

[...] Frage hat sich Wolff Horbach auf seinem Faktor G – Blog gestellt und eine Beispielrechnung [...]
[...] Diese Art der Kommunikation macht krank und isoliert von den Unternehmensprozessen im Hintergrund. Die Motivation läßt nach, der Krankenstand erhöht sich nachweislich und der interne Informationsaustausch stockt. Das bedeutet unter dem Strich Mehrkosten. [...]
[...] Zufriedenheit jedes einzelnen Mitarbeiters ist ein sensibler Faktor. Bereits ein einziger unglücklicher Mitarbeiter kann dem Unternehmen sehr viel Geld kosten. Es ist daher nicht sehr wirkungsvoll, ein statistisches Verfahren zu wählen. Wenn 90% der [...]
[...] Für Unternehmer und Manager: Wie sehen die Zahlen bei Ihnen aus? Oder wollen Sie das lieber nicht wissen? Falls ja, was tun Sie dafür bzw. dagegen? Wenn Sie Ihre Zahlen verbessern wollen: Nehmen Sie bitte Kontakt zu mir auf. Oder wollen Sie lieber erst mal nachrechnen, was Sie ein unglücklicher Mitarbeiter kostet? [...]
wie kommen Sie denn bei den “…Lohnzusatzkosten betragen ca. 70%.” auf 70% ?? In 2009: bei mtl. 4000.- Brutto – AN ca. 790.- AG ca. 750.- (soz. Leistungen = KV,PV,AL,RV) x 12= 9.000.- ÷ 48000= ca. 20% . Die MAL kostet den AG als mtl 4750.– Der MA erwirtschaftet auch den soz. Anteil des AG’s. Dies ist nur eine rein steuerl. Umschichtung der geldlichen Zuwendung. Oder zahlt der Unternehmer das aus seiner eigenen ganz privaten Tasche? Nein! Der MA erbringt eine Leistung die dem AG mtl. 4750.– wert ist.
@Anna Bolika: Die Zahl 70% habe ich bei verschiedenen Quellen gefunden, z.B. hier beim Institut der Deutschen Wirtschaft.
Sie haben nur die “nackten” Sozialversicherungskosten gesehen, die auch ein Arbeitnehmer (AN) anteilig bezahlt. Aber die Lohnnebenkosten beinhalten sehr viel mehr. Urlaubs- und Weihnachtsgeld muss man dazu rechnen. Dazu kommen noch div. Abgaben und Umlagen, die der Arbeitgeber (AG) alleine trägt: Mutterschutz, Insolvenzgeld, IHK, Berufsgenossenschaft, und, und, und. Und ein Arbeitsplatz kostet ja schließlich auch (viel) Geld. Die Personalabteilung gehört beispielsweise dazu und die Lohn- und Gehaltsabrechnungsstelle. Diese sind am eigentlichen Produktionsprozess nicht beteiligt, sondern sind ausschließlich zur Einstellung und Verwaltung des Personals notwendig. Die Kosten werden folgerichtig auch zu den Lohnnebenkosten gerechnet.
Wenn Sie mal googeln, werden Sie die Zahl rund 70% immer wieder finden.
Im übrigen ist Ihre Rechnung nicht richtig. Sie haben zwar recht, dass die Kosten vom MA erwirtschaftet werden müssen, aber die Versicherungsleistungen kommen ausschließlich dem AN in Form von besserer Versorgung im Krankheitsfall, Berufsunfähigkeit, … bzw. Anwartschaften für eine spätere Rente zu Gute. Der AG hat davon gar nichts.
Fragen Sie mal einen Fachperson. Sie werden meine Berechnungen in etwa bestätigt bekommen.