Der Glücksbeauftragte
Freitag, 9. Nov 2007 8:59 von Wolff Horbach

Der Umweltschutzbeauftragte. Der Datenschutzbeauftragte. Die Gleichstellungsbeauftragte. Für bedeutende Bereiche im Unternehmen wurden in den letzten Jahren besondere Stellen mit spezifischer Verantwortung geschaffen. Die wichtigste Stelle ist bis heute unbesetzt: der oder die Glücksbeauftragte.
Die Aufgabe des Glücksbeauftragten ist es, Glückskiller zu reduzieren und glückbringenden Verhaltensweisen zu fördern.
Glückskiller mindern die Lebensfreude und die Leistungskraft von Mitarbeitern: Angst, Stress, Missachtung, Misstrauen, mangelnde Wertschätzung, Konkurrenz. Sie sind zu ersetzen durch: Freude, Flow, Achtsamkeit, Vertrauen, Wertschätzung, Kooperation. Der Glücksbeauftragte wird sich herausstellen als wahrer Glücksbringer für Mitarbeiter und Unternehmen .
Das Umfrage- und Beratungsinstitut Gallup hat bei Befragungen ermittelt, dass in Deutschland nur 16% der Mitarbeiter aktiv engagiert bei der Arbeit sind. Erschreckend hohe 69% der Mitarbeiter sind nicht engagiert. Mit anderen Worten: Sie machen nur gerade so viel wie nötig. Dienst nach Vorschrift. Und die Krönung: 15% der Mitarbeiter sind aktiv nicht engagiert. D.h. sie haben die innere Kündigung ausgesprochen und wirken oft noch destruktiv. Im schlimmsten Fall betreiben sie Sabotage.
Jährliche Kosten: 226.000.000.000 Euro
226 Mrd. Euro. Diese Zahl hat Gallup als Kosten unengagierter Mitarbeiter ausgerechnet, die jährlich in deutschen Unternehmen verursacht werden. Es ist geradezu absurd, dass Controller mit hohen Aufwänden versuchen, Zehntelcent-weise an Verfahren und Ablaufstrukturen zu sparen, dass Einkäufer ihre Lieferanten bis auf den letzten Safttropfen auspressen, um Kosten zu sparen und dass gleichzeitig die größte Quelle für Kosteneinsparungen – das Engagement der Mitarbeiter – geradezu unangetastet bleibt.
Was ist die Ursache dafür? Sie ist vor allem in der mangelnden Glückskompetenz begründet. Wir haben in der Regel viel zu wenig Wissen und Erfahrung darüber, was wirklich glücklich macht. Wir glauben, wir müssten mit harten Bandagen unsere Konkurrenten niederkämpfen, um dann viel Geld zu verdienen, um damit am Ende glücklich zu sein. Welch fataler Irrtum! Wir verscheuchen das Glück ständig und können auch mit dem Geld kein Glück finden. Die Opfer auf dem Weg zum vermeintlichen Glück sind immens hoch: Stress, Mobbing, Herzinfarkt, zerrüttete Ehen, kaputte Familien.
Der neue Weg
Wie ist eine Trendwende zu schaffen? Ein klug beratenes Unternehmen wird folgendes tun:
- Die Unternehmensführung erklärt das Glück aller am Unternehmen Beteiligten als gleichrangiges Ziel neben dem finanziellen Erfolg.
- Die Bedeutung des Ziel wird durch die Ernennung eines Glücksbeauftragten unterstrichen. Seine Aufgabe ist die konstruktive Unterstützung aller bei der Einführung und Umsetzung von Maßnahmen. Bei Konfliktfällen wirkt er beratend im Sinne eines Mediators.
- Nach und nach werden alle Mitarbeiter mit dem Glücks-Knowhow vertraut gemacht. Das Glück fließt in die tägliche Arbeit ein.
Geringe Investitionen, reiche Belohnung
Die Kosten für Maßnahmen, das Glück in Unternehmen zu steigern, sind im Verhältnis des zu erwartenden Gewinns gering. Lächerlich gering.
Die Mitarbeiter werden sich in dem geläuterten Unternehmen sehr wohl fühlen. Sie werden gerne zur Arbeit kommen, weil sie hier große Teile ihres Talentes ausleben können. Sie werden Spaß mit ihren Kollegen und Kunden haben. Sie erleben eine Wertschätzung ihrer Arbeit und Leistung. Geld ist noch immer wichtig aber längst nicht mehr so wichtig wie früher, als es die einzige Kompensation für alle die Mühe und den Frust war.
Das Unternehmen ist ebenfalls ein großer Gewinner: Glückliche Mitarbeiter sind kreativer und treiben Innovationen voran. Glückliche Mitarbeiter gehen eleganter mit Kunden um und machen diese glücklich. Glückliche Mitarbeiter, die weder unter- noch überfordert sind, erledigen ihre Arbeit mit Freude, qualitativ hochwertig und äußerst zuverlässig. Glückliche Mitarbeiter unterstützen ihre Kollegen. Sie sind gesünder und bringen insgesamt eine höhere Leistung. Der Stress sinkt, das Unternehmen wird dynamischer und erhöht seine Überlebenschancen beträchtlich.
Es ist ganz einfach: Glückliche Mitarbeiter und glückliche Kunden steigern den Unternehmenserfolg.
Hier schreibt

[...] Fazit: Die Schäden für Mitarbeiter und Unternehmen sind unermesslich. Es wird höchste Zeit für den Glücksbeauftragten! [...]
In meiner Firma hat sich schon herumgesprochen, dass ich immer “gut drauf bin”. Das hat aber vor allem mit meiner eigenen Einstellung zu tun. Glück und Soziale Kompetenz bedingen einander. Es ist wesentlich, dass wir uns wieder füreinander interessieren und nicht nur den eigenen Vorteil im Auge haben: Wie schaffe ich es, mit möglichst wenig Arbeit möglichst viel zu verdienen. Vielmehr könnte helfen, sich Gedanken darüber zu machen, dass Zufriedenheit aus dem Unterbewusstsein stärker wiegt, als “Abzocke”. Dazu gehören auch Pünktlichkeit, Erhlichkeit, Höflichkeit, Anteilnahme, Verständnis und vieles mehr. Es ist wirklich an der Zeit zu lernen und täglich zu üben, glücklich zu sein.
@ Johanna: Schön, dass Sie immer “gut drauf sind”. Ich hoffe, dass hat sich in Ihrer Firma nicht nur herumgesprochen, sondern wird auch entsprechend gewürdigt.
Jetzt stellen Sie sich vor, fast alle in der Firma wären immer “gut drauf”. Wie schnell würde die Arbeit von der Hand gehen, was für eine Freude wäre es, dort zu arbeiten. Ideen würden sprühen, neue Produkte und Dienstleistungen entstehen und die Kunden wären sicherlich auch sehr glücklich.
So entstehen prosperierende Unternehmen und nicht durch weiteres Drehen an der Rendite-Schraube.