Optimismus ist lernbar!
Montag, 26. Nov 2007 22:20 von Wolff Horbach

Die alte Geschichte: Der Pessimist denkt: das Glas ist halb leer, der Optimist denkt: das Glas ist halb voll. Der Pessimist, der Optimist …; das hört sich so an, ob dies zwei in Stein gemeißelte Typen wären.
Als Pessimist geboren, immer Pessimist. Aber das ist falsch!
Pessimismus und Optimismus sind keine unabänderlichen Persönlichkeitsmerkmale, sondern eine Art des Denkens. Klar bestimmen unsere Gene eine Grundrichtung. Wenn schon unsere Eltern eher pessimistisch waren, dann werden wir wahrscheinlich das Glas öfter leer als voll sehen; erst recht, wenn wir in einem Umfeld groß geworden sind, in dem eher negativ und skeptisch gedacht wurde.
Aber das lässt sich ändern. Der amerikanische Psychologe Martin Seligman hat bewiesen, dass sich Optimismus lernen lässt. Und das geht relativ einfach:
Jeden negativen Gedanke können wir mit einem STOPP aufhalten. Wir können uns selbst fragen:
- Ist es wahr?
- Gibt es einen Beweis für das, was ich denke?
- Könnte es auch ganz anders sein?
In den allermeisten Fällen werden wir dann zu der Erkenntnis kommen: es gibt keinen Grund für unsere pessimistischen Gedanken; erst recht keine Beweise.
Ein Beispiel: Eine Freundin hat uns versprochen: “Ich rufe dich morgen Abend um 20 Uhr an“. Aber der Anruf erfolgt nicht. Der Pessimist denkt: “Sie hat mich versetzt. Ich bin ihr wohl total egal. Wahrscheinlich mag sie mich nicht mehr. …” Und schon setzt sich die negative Gedankenspirale in Gang, die für den Pessimisten eine fatale Wirkung hat: seine Stimmung sinkt, der Körper schüttet Stresshormone aus, die den Körper schädigen.
Objektiv gesehen gibt es für das negative Denken keinen Beweis. Es bleibt nur die Tatsache, dass der Anruf nicht erfolgt ist. Und das könnte tausend Ursachen haben: sie steckt noch im Stau, eines der Kinder hat sich verletzt und sie ist jetzt beim Arzt, das Telefon ist gestört, …
Mit der STOPP-Technik und dem inneren Disput geht es uns augenblicklich besser. Wir können auch die Initiative ergreifen und den Anruf selbst tätigen. Anstatt Stresshormone erzeugen wir Glückshormone.
Seligman nennt noch einen weiteren Grund für Optimismus: Pessimisten küsst man nicht!
Hier schreibt

“Ein Pessimist ist ein Optimist, der nachgedacht hat.”
Dan Bennet
@ Dialogus:
Dan Bennet ist ein Spaßvogel.
Umgekehrt könnte ich sagen: “Ein Pessimist ist ein Mensch, der zuviel nachdenkt, was alles schiefgehen könnte.”
@Wolff:
Korrekt. Daher jetzt meine aktuelle Lieblingsvariante:
„Es gibt zu viele Möglichkeiten, als dass man Pessimist sein kann. Es gibt natürlich auch allzu viele Krisen, als dass man einfach Optimist sein kann. Ich sage immer, ich bin Possibilist – ich sehe die Möglichkeiten.“
Jakob von Uexküll
Das gefällt mir.