Auswege aus der inneren Kündigung
Freitag, 14. Dez 2007 10:54 von Wolff Horbach

68% aller Arbeitnehmer haben die innere Kündigung ausgesprochen. Diese erschreckende Zahl stellt mit schöner Regelmäßigkeit und steigender Tendenz das Forschungsunternehmen Gallup fest. Fazit: Millionen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind unglücklich in ihrem Job. Zehntausende von Unternehmen kämpfen mit der mangelnden Motivation ihrer Bediensteten. Und das ist noch milde ausgedrückt. Was tun?
Nach den Autoren Brinkmann/Stapf (Buch “Innere Kündigung. Wenn der Job zur Fassade wird“) ist die innere Kündigung:
der Entschluss eines Arbeitnehmers, seine Leistungsbereitschaft und seinen Arbeitseinsatz bewusst, aber stillschweigend, zurückzunehmen. Diesen Prozess vollzieht der Betroffene möglichst unauffällig, da er seine Arbeitsstelle behalten möchte.
Auf den ersten Blick könnte man sagen: Der Arbeitnehmer erfüllt seinen Arbeitsvertrag nicht mehr (vollständig). Das wäre aber zu einfach. Vorausgegangen ist mit Sicherheit eine gravierende Störung im Verhältnis Arbeitsgeber – Arbeitnehmer.
Der Arbeitnehmer hat sich also gegen die weise Empfehlung “Love it, change it or leave it!” entschieden: Er liebt seine Arbeit nicht mehr, er versucht nichts zu ändern (außer dem Reduzieren seiner Arbeitsleistung) und er kündigt nicht, sondern bleibt. Die schlechteste Entscheidung von allen. Und zwar aus mehreren Gründen:
- Arbeitszeit ist Lebenszeit. Der bewusste Entschluss, einen großen Teil seiner Lebenszeit mit ungeliebten Dingen zu verbringen, ist nicht gerade klug.
- Heimliche Leistungsverweigerung ist Betrug: an seinem Vertragspartner und sich selbst.
- Der innere Kündiger lebt ständig in Angst, entlarvt zu werden. Das Leben mit Lügen, Vertuschen und Verstecken wird zu einem freudlosen Leben. Die Kündigungshaltung schlägt auf das Privatleben durch.
Ich möchte hier nicht die Ursachen der inneren Kündigung diskutieren, sondern Lösungen aufzeigen.
Was lässt sich also tun, wenn die innere Kündigung schon ausgesprochen ist?
Bewusstsein schaffen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die innere Kündigung immer ein bewusster Vorgang ist. Es könnte auch eine unbewusste Reaktion auf frustrierende Erfahrung sein. Am Anfang einer Veränderung halte ich auf jeden Fall für wichtig, klar zu erkennen: Ja, ich habe eine innere Kündigung ausgesprochen.
Tiefe prüfen. Als nächstes wäre zu prüfen, ob die innere Kündigung dauerhaft ist, oder vielleicht nur eine vorübergehende Erscheinung. Eine Kündigung kann man schließlich auch zurücknehmen. In diesem Falle sollte man die Bedingungen klären, unter denen man bereit, zu bleiben. Was muss sich ändern und wie? Das wäre also das change it, so dass ein love it daraus werden kann. Ist das nicht möglich oder die innere Kündigung von Dauer, bleibt nur das leave it – raus aus dem Unglück bringenden Verhältnis.
Alleine oder mit fremder Hilfe? Ist das Entschluss klar, eine Änderung herbeizuführen, ist als nächstes zu prüfen, ob ich das alleine kann oder fremde Hilfe benötige. Fremde Hilfe können sein: das obige Buch, Berater, Anwälte, der Betriebsrat, der Vorgesetzte, Freunde. Wichtig wäre, sich selbst klar zu machen: was will ich? Unter welchen Bedingungen würde ich bleiben? Wäre ich bereit im gleichen Unternehmen einen anderen Job zu machen? Oder muss ich auf jeden Fall etwas ganz Neues machen?
Von der Blockade zur Aktion. Wenn die Bedingungen klar sind, gilt es, den ersten Schritt zu tun: um ein Gespräch bitten, einen Brief schreiben, sich auf Jobsuche begeben. Die ersten Schritte werden auf jeden Fall Energien aktivieren, die durch die innere Kündigung blockiert waren. Die Tür zur Besserung ist aufgestoßen.
Hier schreibt

Die Zahlen sind wirklich erschreckend – demotivierte Mitarbeiter, die die innere Kündigung bereits ausgesprochen haben, sind in Deutschland keine Seltenheit.
In diesem Fall sind Ihre Ratschläge sehr hilfreich.
Allerdings sollte es im Idealfall erst gar nicht soweit kommen. Hauptursache der inneren Kündigung ist falsches Führungsverhalten. Führungskräfte sind also in hohem Maße dafür verantwortlich, ob ihre Belegschaft motiviert und leistungsbereit ist. Es ist daher wohl essentiell, dass einige Führungskräfte hierzulande ihr Führungsverhalten kritisch reflektieren und mit neuen Verhaltensweisen ergänzen.