Stress ist teuer – sehr teuer
Dienstag, 22. Apr 2008 10:44 von Wolff Horbach
Viele Unternehmen beteuern: “Die Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital.” Ich frage mich nur, warum so viele Unternehmen denn darauf erpicht sind, das Kapital möglichst schnell wieder zu vernichten. Das tun sie zwar nicht direkt, aber mit Methoden, die dafür um so wirkungsvoller sind: wachsender Zeitdruck, Mobbing und mangelnde Wertschätzung setzen der Bilanz schwer zu und machen Millionen von Arbeitnehmern krank.
Spiegel Online berichtet heute über einen neuen Bericht des Berufsverbandes Deutscher Psychologen (BDP): Arbeitsbelastung: Psychoprobleme von Arbeitsnehmern nehmen dramatisch zu. Der BDP beobachtet in den letzten Jahren einen starken Anstieg von Krankheiten, die durch Druck am Arbeitsplatz entstehen:
“Dass die Zahl der Probleme zugenommen hat, ist deutlich erkennbar”, sagt Eberhard Ulich vom Institut für Arbeitsforschung und Organisationsberatung in Zürich im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Innerhalb eines halben Jahrzehnts verdoppelte sich demnach der Anteil an den gesamten Krankheitstagen von Arbeitnehmern beinahe: von 6,6 auf 10,5 Prozent. Der Statistik zufolge entspricht das einem Produktionsausfall von 4,4 Milliarden Euro pro Jahr.
Auf europäischer Ebene sind die Zahlen noch erschreckender. Vor zwei Monaten berichtete ebenfalls Spiegel-Online: EU-Studie: Stress ist häufigster Grund für Krankmeldungen:
Stress ist teuer: Einer Untersuchung der Europäischen Beobachtungsstelle für berufsbedingte Risiken zufolge sind vermutlich bis zu 60 Prozent aller versäumten Arbeitstage auf Stress zurückzuführen. Im Jahre 2005 seien 22 Prozent der europäischen Arbeitnehmer von Stress betroffen gewesen, ermittelte die Institution mit Sitz in Bilbao. Abgesehen vom menschlichen Leid bedeutet das auch, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Betroffenen in erheblichem Maße beeinträchtigt ist – das kostet Unternehmen bares Geld. Schätzungen zufolge betrugen die Kosten, die der Wirtschaft in Verbindung mit arbeitsbedingtem Stress entstehen, 2002 in den damals noch 15 EU-Ländern 20 Milliarden Euro.
Ich will mich jetzt hier nicht über die Ursachen auslassen. Darüber steht mehr in den jeweiligen Berichten. Was ich mich frage ist Folgendes: Es muss doch in jedem Unternehmen zumindest ein paar kluge Köpfe geben, die diese Berichte lesen und erkennen, was sie in ihren Unternehmen anrichten. Und diese klugen Köpfe müssten doch den Willen haben, dies zu ändern. Dabei muss noch nicht einmal das Gutmenschentum im Vordergrund stehen. Der Wille, ein guter Manager zu sein und diese Riesenverluste zu vermeiden, müssten doch Auslöser genug sein.
Oder sehe ich das falsch?
Hier schreibt
