Flow im Unternehmen – ist das möglich?
Mittwoch, 14. Mai 2008 11:35 von Wolff Horbach
Das von Mihaly Csikszentmihalyi entwickelte Flow-Prinzip ist mittlerweile über 20 Jahre alt und dennoch kennen es viele Menschen nicht. Dabei hat wahrscheinlich schon jeder Mensch mehrfach Flow-Zustände persönlich erlebt.
Flow kann nur zustande kommen, wenn Anforderungen und Können gut zusammenpassen. Da im Flow-Zustand eine optimale Leistung vollbracht wird, ist natürlich schon vielen Menschen die Idee gekommen, dass dies auch etwas für die Arbeitswelt wäre.
Ich werde oft gefragt: “Wie schaffe ich es denn, dass Flow im Unternehmen funktioniert?” Diese Frage zeigt mir, dass viele Menschen einsehen oder schon erlebt haben, dass Flow ein Zustand ist, den man persönlich erreichen kann. Aber gleichzeitig bezweifeln sie, dass dies im Unternehmen zu erreichen ist.
Woran liegt das?
Nun, ich sehe drei Hauptursachen:
- In Unternehmen wird viel zu selten darauf geachtet, ob Können und Herausforderungen zu einander passen. Bei der Einstellung eines neuen Mitarbeiters wird ein Anforderungsprofil aufgestellt und jemand gesucht, der am besten dazu passt. Nach der Einstellung wird aber kaum noch darauf geachtet, ob beides wirklich noch zusammen passt.
- Flow braucht Konzentration. In einer lauten oder gar hektischen Arbeitsumgebung kann sich keine gute Konzentration entwickeln.
- Flow macht glücklich. Offensichtlich finden viele Menschen, dass dies nicht in Unternehmen passt. Freude ist hier fehl am Platze. Nur wer ernsthaft arbeitet, schwitzt und möglichst große Mühe hat, arbeitet wirklich
In diesen drei Punkten sehe ich auch die größten Chancen, Flow im Unternehmen einzuführen bzw. zuzulassen:
- Mitarbeiter und Führungskraft sollten permanent darauf achten, dass Aufgaben und Können zueinander passen. In einer vertrauensvollen Umgebung sollte es möglich sein, offen zu äußern, dass man mit einer Aufgabe überfordert ist (Stress-Bereich) oder unterfordert (Langeweile). Die Grenzen sind auszuloten, dazu gehört auch das Überschreiten. Aber nicht als Dauerzustand, sondern als kurzfristige Testmaßnahme.
- Die Arbeitsumgebung sollte Konzentration ermöglichen. Geistesarbeiter müssen die Möglichkeit haben, sich für eine bestimmte Zeit in eine ruhige Umgebung zurück zu ziehen. Vereinbarungen und Signale (Schild an die Tür: Bitte nicht stören, Telefonumleitung, …) sollten selbstverständlich sein.
- Flow sollte begrüßt und nicht als Vergnügen zur persönlichen Bereicherung des Mitarbeiters angesehen werden. Eine Führungskraft sollte sich freuen, wenn er weiß, dass ein Mitarbeiter im Flowzustand ist. Denn dann ist sichergestellt, dass der Mitarbeiter optimale Ergebnisse schafft.
Und wie sieht es bei Ihnen mit Flow aus?
Hier schreibt

Eine Führungskraft sollte sich freuen, wenn er weiß, dass ein Mitarbeiter im Flowzustand ist.
Und woran erkennt eine Führungskraft, wann ein Mitarbeiter sich im Flow-Zustand befindet? Nur an der Arbeitsleistung? Vielleicht auch am flotten, selbstsicheren Schritt über den Büroflur, am freudigen Leuchten der Augen, an einer entspannten Tonlage beim Sprechen? Ich denke, eine Führungskraft muss sehr viel Menschenkenntnis und Empathie mitbringen, um Flow-Zustände erkennen zu können. Welche Führungskraft hat dafür noch Zeit. Oder, anders gefragt: Liegt das im wirklichen Interesse heutiger Unternehmen?
Und wie sieht es bei Ihnen mit Flow aus?
Tja, meinen Flow “ergehe” ich mir, wenn’s nötig ist: Gehen und Denken ist ja mein Motto. Während ich durch Wald und Wiesen gehe, entsteht ein Zustand, der mich auf neue Ideen und Gedanken bringt, der mich die Welt aus anderen Perspektiven erkennen lässt. Und das ist dann mein ganz persönlicher Flow.
Hallo Joachim,
zum Erkennen von Flow-Zuständen bedarf es keiner großen Fähigkeiten. Wir sehen sofort, ob ein Sportler im Flow ist. Er ist hoch konzentriert, aber nicht verbissen. Er wirkt etwas geistesabwesend, ist aber hellwach. Das Strahlen der Augen gehört sicher auch dazu, besonders nach gelungenen Aktionen. Ähnlich ist es auch bei Mitarbeitern.
Du fragst: Liegt das im wirklichen Interesse heutiger Unternehmen? Ich meine JA.
Die Unternehmen wollen hohe Leistung. Diese ist m.E. nur zu erreichen, wenn zumindest zeitweise Flow geschieht. Wer dauerhaft überlastet ist, kann einfach keine guten Leistungen bringen. Ein permanent gestresster Manager wird nur suboptimale Entscheidungen treffen.
Danke für deine Flow-Erfahrungen mit deinen Gedanken-Gängen. Das gönne ich mir viel zu selten.