Alles, außer gewöhnlich
Donnerstag, 17. Jul 2008 23:20 von Wolff Horbach
Wir befinden uns in schweren Turbulenzen. Zwei Drittel der Deutschen sehen schwarz für die Konjunktur. Wir sind wieder auf dem besten Wege, uns in Krisen zu reden. Es ist so, als ob eine ganze Nation jeden Morgen in die Horoskope schaut und sich dann den ungünstigsten Fall aussucht und anschließend mit dem Nachbarn oder Kollegen diskutiert: “Es wird alles viel schlimmer”, “Man kann ja nicht mehr hinsehen” und – “Früher war alles viel besser”. Na super: Schon mal was von “self fullfilling prophecy” gehört?
Natürlich stehen wir vor großen Herausforderungen. Aber bewältigt man die, in dem man “schwarz sieht”? Oder wäre es nicht viel besser, optimistisch in die Zukunft zu schauen, und das herauszusuchen, was (gut) funktioniert?
Ich bewundere seit einiger Zeit ein Paar, welches konsequent und zielstrebig nach Dingen suchen, die funktionieren: die Business-Querdenker Anja Förster und Dr. Peter Kreuz. Beide sind seit Jahren auf fünf Kontinenten unterwegs, um außergewöhnliche Unternehmen und kreative Menschen aufzuspüren. Sie haben darüber ein paar Bestseller geschrieben:
Different Thinking!
In “Different Thinking!: So erschließen Sie Marktchancen mit coolen Produktideen und überraschenden Leistungsangeboten” haben sie 20 Erfolgsprinzipien aus einer Vielzahl von internationalen Best-Practice-Beispielen extrahiert. Sie erläutern, wie man die Erfolgsprinzipien systematisch und gezielt einsetzen kann. Dazu gibt es viele Tipps. Alle Different-Thinking-Methoden sind detailliert beschrieben. Alles sehr fundiert, spannend und – praxisnah!
Alles, außer gewöhnlich
Das letzte Buch, “Alles, außer gewöhnlich: Provokative Ideen für Manager, Märkte, Mitarbeiter” beschreibt anhand von außergewöhnlichen Unternehmen und auch Einzelpersonen (z.B. der Popikone Madonna), wie man es vermeidet, im “me too” unterzugehen. Die zentrale Botschaft von Förster-Kreuz: “Wer sich ständig mit anderen vergleicht, wird vor allem eines: GLEICHER!”. Das außergewöhnliche Werk ist dafür zu Recht mit dem Wirtschaftsbuchpreis 2007 ausgezeichnet worden.
Spuren, statt Staub
Und schon ist das neue Werk in der Pipeline: “Spuren statt Staub: Wie Wirtschaft Sinn macht“. Ich freue mich schon sehr auf das Erscheinen des Buches diesen Herbst. Förster-Kreuz sind immer eine gute Medizin gegen das Gejammer im Lande.
Hier schreibt

Ja, lieber Wolfgang,
es geschieht zur Zeit einiges und natürlich ist es entscheidend, WIE wir die Ereignisse betrachten – denn daraus entsteht die Lösung oder Depression!
Wenn Systeme, die uns sicher lieb geworden sind, nicht mehr haltbar sind und kollabieren, dann können wir entweder jammern und trauern, oder wir erkennen, dass hier ein Zyklus natürlich zu Ende geht und ein neuer beginnt! Alles hat seine Zeit zur Erfahrung – sicher auch unseren erdachten Geld-, Wirtschafts- und Sozialsysteme. Nun wird es eben Zeit, diesbezüglich neue Systeme zu etablieren (erdacht sind sie nämlich schon!).
Erst die Not macht die Wende und so mag auch das “Schwarz sehen” vielen Menschen die Augen öffnen, für die Notwendigkeit, andere Schritte, neue Wege zu gehen und vor allem anderes Denken einzusetzen.
So haben dann auch die “Schwarzseher” ihren Anteil an den Veränderungen, während andere bereits an dem neuen Gedankenfeld arbeiten und es vorbereiten!
In diesem Sinne: schwarz und weiß gehören zusammen und jeder darf entscheiden – am besten nach seinem Wohlgefühl – auf welchem Feld er/sie spielen mag!
Herzlichst
Sabine
Es ist in der Tat eine vergügliche Sache, Autoren oder Verlage bei ihren regelmässigen Veröffentlichungen zu beobachten. Dabei ist für mich erstaunlich, wie es manche Autoren schaffen, in schöner Regelmässigkeit über ein und das gleiche Thema aus immer wieder unterschiedlichen Perspektiven zu referieren. Es muss wohl stimmen: des Büchermachens ist kein Ende.
Mir kommt in diesem Zusammenhang ein Lichtenberg’scher Aphorismus in den Sinn: »Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch? «
Mir scheint, über bestimmte Themen lässt sich trefflich Bücher schreiben — es ändert sich doch nichts in den Köpfen der Leser. Ob das bei Förster/Kreuz’ nächstem Werk anders sein wird?
Beste Grüsse, Joachim
@ Sabine:
So habe ich das “schwarz sehen” noch nie betrachtet. Vielleicht sollte ich die vielen Schwarzseher als ein gutes Zeichen für eine bevorstehende Wende zum Besseren ansehen. Danke für den Impuls!
@ Joachim:
Manchmal sind Wiederholungen notwendig, damit eine Nachricht durchdringt. Da macht es sicherlich Sinn, etwas von unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.
… es ändert sich doch nichts in den Köpfen der Leser.
Ich hoffe, du hast nicht Recht. Für mich bedeutet Lesen auf jeden Fall immer: “mit klugen Leuten reden”.
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