Es gibt keine stagnierenden Branchen, nur stagnierende Manager
Dienstag, 5. Aug 2008 14:14 von Wolff Horbach

“Es gibt keine stagnierenden Branchen, nur stagnierende Manager“. Diesen Satz habe ich gerade im aktuellen Beratungsletter von Anja Förster & Peter Kreuz gelesen. Er spricht mir aus der Seele, weil ich mich heute Morgen im Gegensatz zu meiner sonstigen Gelassenheit aufgeregt habe. Aufgeregt habe über das Lamentieren über die schlechten Konjunkturaussichten, z.B. in Spiegel online: Industrie erwartet “grottenschlechte” Auftragslage. Und Ex-US-Notenbankchef Alan Greenspan spricht gleich von der Jahrhundertkrise. Ist der bescheuert? Wir haben das Jahr 2008. Das ist so, als wenn schon am 17. Januar der Film des Jahres gekrönt würde.
Und da die Presse am liebsten negative Nachrichten hat (good news are no news), stürzen sich alle Journalisten wie die Aasgeier auf diese Agenturmeldungen und produzieren daraus gleich wieder Horrormeldungen, mit der man die ganze Nation in Angst und Schrecken versetzen kann.
Doch zunächst zurück zu Anja Förster & Peter Kreuz. Sie beginnen den aktuellen Beratungsletter mit:
Die Globalisierung, da kann man nichts machen… Pech, die Konjunktur lahmt eben… Die Märkte verändern sich, so ist das nun mal… Order von oben, tut mir leid, schulterzuck…
Oh, Mann! Wir können diese Phrasen kaum schreiben, ohne dass unser Puls zu rasen beginnt! Natürlich sind wir in unserem Umfeld nicht völlig frei von Marktbedingungen, Mitarbeiteransprüchen und Investoren. Aber wer mit dem Finger nur auf ungünstige Bedingungen zeigt, sucht fast immer eine Ausrede.
Chancen! Es gibt sie immer. IMMER. Unsere Mission: Andere Menschen mit dieser Denke anzustecken. Und davon handelt dieser Beratungsletter. Es geht um vermeintliche “Low-Interest-Produkte” wie Feuerlöscher, clevere neue Ideen für den hart umkämpften Navigationsgerätemarkt und coole Ideen fürs Kaugummikauen. Alle Beispiele, die wir Ihnen heute vorstellen, zeigen: Es gibt keine stagnierenden Branchen, nur stagnierende Manager.
[...]
Genau! Wir brauchen Ideen. Wir sollten Chancen sehen anstatt über schlechte Randbedingungen zu klagen.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat m.E. vor ein paar Tagen einen sehr sinnvollen Vorschlag gemacht: Steuervorteile für Investitionen in Energiespartechnik. Aber nein, unsere Kanzlerin ist dagegen. Warum eigentlich?
Wir könnten mit der Modernisierung von Altbauten, mit der Investition in Hausisolierungen, der Entwicklung von Energieeffizienztechniken ein gewaltiges Konjunkturprogramm unabhängig vom Weltmarkt entzünden. Viele private Investoren würden mitmachen und Geld in die Hand nehmen, welches jetzt auf der Bank schlummert (Deutsche besitzen neun Billionen Euro!). Wir würden Energie sparen, gleichzeitig die Abhängigkeit von Öl- und Gaslieferanten mildern und die CO2-Emissionen reduzieren. Wir müssen nur wollen!
Hier schreibt

[...] Lesen Sie hierzu auch den heutigen Blog-Post von Wolff Horbach von Faktor-G. [...]
full ack!
@ Thomas:
“full ack” hatte ich im ersten Augenblick als Spam angesehen. Aber “full acknowledge” – volle Zustimmung – nehme ich natürlich gerne. Danke!
Mal ehrlich: Hat die Welt auf einen Feuerlöscher gewartet, der im polierten Edelstahl wie ein Soda Siphon daherkommmt? Oder die werbisch orientierte Aussage Denn wo Aloe Vera draufsteht, kann doch nichts Schlechtes drin sein, oder? klingt schon ein wenig naiv für mich. Na ja, es mussten wohl ein paar bunte Beispiele sein.
Aber, was ich eigentlich kommentieren wollte: Die Aussage Wir brauchen Ideen kann nicht das Mittel der Wahl sein. Wir brauchen die Umsetzung all der Ideen, die ja schon längst vorhanden sind. Nur will sie keiner finanzieren, das Wagnis eingehen, auch einmal mit einer Idee zu scheitern. Ich denke da beispielsweise an die Zunft-Bewegung mit den Zunft[orten] und Zunft[quartieren]: Die Ideen sind da, die Kommunen sind begeistert — es will sie aber keiner umsetzen. Das ist die Crux.
Oder denke ich da wieder einmal völlig (ver)quer …
@ Joachim:
Du hast sicherlich Recht, dass wir nicht jeden Schnickschnack brauchen. Aber hätten wir unsere Eltern gefragt, ob sie ein Telefon ohne Schnur bräuchten, hätten Sie sicherlich auch gesagt: “braucht kein Mensch”.
Die Umsetzung von Ideen erfordert ja auch wieder Ideen und Kreativität. Es geht im Kern m.E. darum, dass zuwenig Mut da ist. Eine Entwicklung kann nur stattfinden, wenn auch Fehler zugelassen werden. Wenn der Produktmanager direkt gefeuert wird, wenn das Produkt nicht der große Renner wird, dann müssen wir uns nicht wundern, dass immer weniger Menschen bereit sind, etwas unternehmen.
Wahrscheinlich ist es so: Wir brauchen mehr Ideen UND mehr Umsetzung.
[...] Mehr dazu hier. [...]