Wir haben keine Finanzkrise – wir haben eine Vertrauenskrise
Samstag, 27. Dez 2008 16:36 von Wolff Horbach
Ich habe gerade in der Welt online von dem Angebot von Steinmeier gelesen, Bischöfe und Manager an einen runden Tisch zu bringen. Endlich ein Vorschlag, der Bewegung in dieses Land bringen könnte.
In den letzten Wochen ist wohl kein Wort so häufig gebraucht worden wie Finanzkrise. So war es denn auch einfach, es zum Wort des Jahres zu küren. Aber wir haben gar keine Finanzkrise, wir haben eine Vertrauenskrise.
Geld ist genug da. Es wird dauernd davon geredet, so und soviel Millionen, Milliarden wären “verbrannt” worden. Das ist natürlich Blödsinn. Geld wird nur verbrannt, wenn man es ins Feuer wirft oder ein Streichholz daran hält. Demjenigen, der Geld verloren hat, mag es zwar so vorkommen, als wäre sein Geld verbrannt. Aber der entscheidende Unterschied zum Verbrennen ist: das Geld ist noch da. Es gehört jetzt nur anderen Leuten. Ganz grob gesagt können wir also sagen: Die Menge des Geldes ist jetzt die gleiche wie vor der Finanzkrise. Das Problem ist nur: die Menschen, Firmen und Institutionen halten es fest.
Festhalten ist das Problem. Der Familienvater hält das Geld fest, weil er nicht sicher ist, ob er in drei Monaten noch einen festen Job hat. Der kaputte Kühlschrank wird durch ein Billigmodel ersetzt und nicht durch ein etwas teueres Gerät der Energieeffizenz-Klasse A++, welches in Zukunft jede Menge Stromkosten sparen könnte. Die alte Gurke wird eben noch ein Jähr länger gefahren, auch wenn sie jede Menge Sprit säuft und die Umwelt verpestet. Die Firma streicht aus Angst vor Auftragseinbrüchen die Fortbildung der Mitarbeiter. So schlägt man sich lieber mit alten Methoden weiter durch, als sich für die Zukunft fit zu machen. Banken trauen den Firmen nicht mehr und verweigern so die notwendigen Kredite für Zukunftsinvestitionen. So misstraut einer dem anderen und wir gemeinsam der Zukunft.
Vertrauen ist der Schlüssel. Das Problem ist also nicht fehlendes Geld, sondern wie wir es schaffen, wieder gegenseitig zu vertrauen. Jetzt Konjunkturprogramme aufzulegen, die nur Geld in bestimmte Wirtschaftsbereiche pumpt, halte ich für unsinnig. Ich bekomme einen dicken Hals, wenn ich höre, dass jetzt Milliarden in den Straßenbau gesteckt werden sollen. Zukunftsinvestitionen in Asphalt und Beton? Das kann doch nicht wahr sein. Die Sanierung von Schulen wären viel, viel sinnvoller: Man würde die Gebäude erhalten, die jetzt verfallen. Der Einbau moderner Fenster, Heizungsanlagen etc. würde helfen, in Zukunft jede Menge Energie zu sparen. Und wir würden wieder Bildungsstätten bekommen, auf die man stolz sein kann. Und die nicht aussehen, als stammten sie aus dem vorletzten Jahrhundert. Ich hätte auf jeden Fall wieder mehr Vertrauen zum Staat, wenn ich sehen würde, dass mit dem Geld sinnvolles passiert.
Die Mitarbeiter von Unternehmen würden privat mehr investieren, wenn sie halbwegs sicher wären, ihren Arbeitsplatz zu erhalten. Staatliche Gelder in solche Arbeitsplatzsicherungsdinge wären sicherlich eine viel bessere Investition als jetzt nur den Konsum anzuheizen.
Sparer würden Ihr Geld wieder in sinnvolle Investitionen geben, wenn sie sicher sein könnten, nicht wie jüngst passiert, massenhaft betrogen zu werden. Alle Finanzprodukte könnten von einen unabhängigen Institut geprüft und mit einem einfachen Siegel versehen werden. Grün: seriöser Anbieter, ziemlich sicherer Anlage. Gelb: seriöser Anbieter, mittleres Risiko, nur empfehlenswert, wenn man auch Verluste ertragen kann. Rot: hoch spekulativ, am besten die Finger davon lassen, es sein denn, man mag das Abenteuer. Es dürften nur geprüfte Finanzprodukte auf den Markt kommen. Wer dagegen verstößt, geht in den Knast. Einfache, aber klare und transparente Spielregeln.
Was können wir noch tun, um mehr Vertrauen aufzubauen?
Hier schreibt

Die Vertrauenskrise wird uns noch sehr lange beschäftigen. Aber was ist der “Kern” der Krise? Viele Menschen mag es ja überraschen, aber ich bin der Ansicht, dass wir keine Finanz- oder Vertrauenskrise haben. Das sind nur Symptome einer tiefer liegenden Ursache. Was sagt der Buddha über Vertrauen: …die Qualitäten und Tugenden der Erleuchtung umfassen liebendes Mitgefühl, Weisheitswissen, erleuchtete Aktivität und die Fähigkeit, andere zu beschützen und ihnen zu helfen. Diese Qualitäten sind nur im Zustand der Buddhaschaft vollauf verfügbar….Dies zu wissen nennt man “Vertrauen durch das Verstehen der Gründe”.
Wer also keinem spirituellen oder religiösem Weg folgt, der sollte zumindestens eine Handlungs-Ethik haben, die ebenfalls “Einsicht” in die Gründe hat, warum wir auf diesem Planeten rumlaufen. Die momentane Krise zeigt doch nur, dass eine grundsätzliche Balance von Geist und Seele nicht mehr gegeben ist. Global!! Das zeigt sich immer schneller im täglichen Handeln. Wenn etwas aus der Balance geraten ist, braucht es die Konzentration von Kräften, dies zu korrigieren. Manche nennen das Evolution.
Ist es nicht so, daß das System des “immer mehr” an seine Grenzen gestoßen ist – endlich? Ich hoffe darauf, daß ein Umdenken, ein anders Handeln einsetzt, sonst treten wir auf der Stelle, trotz Wachstumsraten…
@ Thomas: Ja, du hast Recht. Die Ursachen liegen viel tiefer. Ich fürchte nur, die Wende, die auf dieser Ebene einsetzt, werden wir nicht mehr erleben.
@ Frank: Ja, ich denke, die Ursachen liegen viel tiefer, wie Thomas ja auch schon geschrieben hat. Wir haben wirklich GENUG von allem. Es ist höchste Zeit für eine Wende zu weniger Haben und mehr Sein (Wohlbefinden, Glück, …). Wir sollten mit unseren Blogs das Thema vorantreiben. Wir müssen mehr werden, so dass eine kritische Masse erreicht wird.
[...] große Hoffnung ist, dass jetzt in der Finanzkrise, die eigentlich eine Vertrauenskrise ist, zumindest einigen Menschen klar wird, dass wir radikal umdenken müssen. Das [...]
[...] große Hoffnung ist, dass jetzt in der Finanzkrise, die eigentlich eine Vertrauenskrise ist, zumindest einigen Menschen klar wird, dass wir radikal umdenken müssen. Das [...]
[...] große Hoffnung ist, dass jetzt in der Finanzkrise, die eigentlich eine Vertrauenskrise ist, zumindest einigen Menschen klar wird, dass wir radikal umdenken müssen. Das [...]