Vortrag: Flow im Unternehmen
Sonntag, 5. Sep 2010 9:08 von Wolff Horbach
Kürzlich habe ich mal wieder einen Vortrag zum Thema “Flow im Unternehmen” gehalten. Obwohl ich zu diesem Thema schon einige Reden gehalten habe, bin ich immer wieder über ein paar Dinge überrascht:
Zögerliches Bekenntnis: Ich versuche, die Zuhörer immer mit einzubinden. Diesmal reckten sich auf meine Frage an das Auditorium von über 100 Teilnehmern “Wer von Ihnen hat schon einmal Flow erlebt?” nur sehr zögerlich ein paar Hände. Offensichtlich war es den meisten eher peinlich, öffentlich einzugestehen, dass sie schon mal Flow-Zustände erlebt hatten.
Da ich fest davon überzeugt bin, dass jeder Mensch schon Flow-Zustände erlebt hat und sie zumindest hin und wieder erlebt, muss es für das zögerliche Bekenntnis Gründe geben. Die sind m.E. in der Unternehmenskultur zu finden. Wahrscheinlich wird Flow als Luxus angesehen, der nicht ins Arbeitsleben gehört.
Das kann ich nicht. Um zu verdeutlichen, wie Flow funktioniert, verwende ich häufig zunächst Beispiele von Spitzensportlern, Wissenschaftlern oder Künstlern. Im zweiten Schritte zeige ich dann, dass jeder Flow erleben kann. Offensichtlich führen aber die Beispiele aus dem Top-Bereich dazu, dass viele jetzt sagen: “Ja, Spitzensportler, Wissenschaftler und Künstler haben auch ganz andere Talente als ich. Die können das, ich nicht“.
Was haben Schule und Arbeitswelt aus den vielen Menschen gemacht, dass sie nur bedingt bereit sind, “optimale Erfahrungen” (Flow-Papst Mihaly Csikszentmihalyi) zu machen?
Enorm unterschätztes Potenzial. Für mich ist das eine der besten Nachrichten des letzten Jahrzehnts: Wenn Mitarbeiter im Flow sind, leisten sie für das Unternehmen Spitzenleistungen UND sind selbst hochzufrieden. Das Herbeiführen von Flow-Zuständen befriedigt die Interessen von zwei unterschiedlichen Gruppen – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – gleich gut. Wann hat man das schon einmal?
Das Potenzial für Höchstleistungen UND Mitarbeiterzufriedenheit wird enorm unterschätzt. Wir kennen die erschreckenden Zahlen über Mitarbeiter-Engagements, die Gallup jedes Jahr veröffentlicht. Diese Zahlen würden sich dramatisch zum Guten wenden, wenn der Flow-Ansatz konsequent umgesetzt würde. Dagegen sehen alle anderen Programme zur Steigerung von Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit alt aus.
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