Happy Life Years – Healthy Life Years
Sonntag, 1. Jan 2012 15:00 von Wolff Horbach
Diese Nacht haben sich wahrscheinlich Milliarden Menschen jeweils in ihrer Landessprache ein “Happy New Year!” gewünscht. Ein glückliches Jahr. Was ist das überhaupt? Wann können wir ein Jahr als glücklich bezeichnen und wann nicht?
Fangen wir eine Nummer größer an: Wann würden wir ein ganzes Leben als glücklich bezeichnen? Sicherlich, wenn die Anzahl der glücklichen Jahre viel größer ist als die Anzahl der weniger glücklichen Jahre.
So können wir es auch beim einzelnen Jahr halten: Wenn die Anzahl der glücklich erlebten Tage sehr viel größer ist als die Anzahl der weniger glücklichen Tage. Und so weiter: Ein glücklicher Tag ist, wenn die Anzahl der glücklichen Stunden … Im Endeffekt kommt es auf jede Sekunde an.
Jeder Mensch und jede Gesellschaft sollte daher als Ziel haben, die Happy life years zu maximieren, und nicht das Bruttoinlandsprodukt oder die Wachstumsraten, wie wir es zur Zeit tun.
Kürzlich habe ich mir die aktuelle Fortschrittsstudie 2011 angesehen. Bei Fortschrittsindizes ist es üblich, die durchschnittliche Lebenserwartung zu betrachten. Eine Gesellschaft, in der Menschen älter werden, scheint fortschrittlicher zu sein, als Gesellschaften, in denen die Menschen früh(er) sterben. Aber ist alt werden alleine ein Fortschritt? Nein, sagen die Soziologen und haben schon seit Jahren begonnen, nicht die Lebensjahre alleine zu messen, sondern die gesunden Lebensjahre, wissenschaftlich Healthy Life Years. Die Happy life years stehen sicherlich mit den Healthy Life years in unmittelbaren Zusammenhang: Wer krank ist, ist wahrscheinlich weniger glücklich. Ein Vergleich:

Das Leben des Menschen mit der grünen Kurve könnte man kurz so charakterisieren: Ziemlich glückliche Kindheit und Jugend, Glücks-Delle in der Lebensmitte (ist fast typisch für uns alle), Glücksanstieg im Alter, Abfall erst relativ kurz vor dem Tod.
Das Leben des Menschen mit der roten Kurve verläuft bis zum Alter von 60 Jahren ähnlich. Aber dann setzt ein kontinuierlicher Abstieg ein.
Beide Menschen werden gleich alt, aber die Summe der Healthy Life Years / Happy Life Years ist beträchtlich.
Das war für mich eine überraschende Erkenntnis aus dem Fortschrittsbericht: Das Leben eines durchschnittlichen Schweden verläuft eher so wie die grüne Kurve. Der Unterschied zwischen Lebenserwartung und gesunden Lebensjahren beträgt nur 11,4 Jahre. Beim durchschnittlichen Deutschen treten die lebenseinschränkenden Behinderungen aber schon 22 Jahre vor dem Lebensende ein! Mit anderen Worten: der durchschnittliche Schwede hat über elf Jahre mehr an gesunden Lebensjahren.
Jetzt können wir uns fragen, woran das liegt. Und was wir dringend ändern müssen.
Hier schreibt

11 Jahre?!
Wahnsinn …
Jetzt bin ich gespannt: Woran liegt das?
Was macht der Mensch in Schweden anders??
@ Simone: Ja, 11 Jahre Unterschied ist Wahnsinn! Ich habe bisher dafür keine offizielle Erklärung gefunden. Da ich einige Male in Schweden gewesen bin, kann nur aus eigener Erfahrung ein paar Vermutungen anstellen:
Als erstes fiel mir auf, dass das Leben dort erheblich weniger stressig ist als bei uns. Schweden ist um ein Viertel größer als Deutschland, hat aber nur ca. ein Zehntel unserer Einwohner. Eng ist es nur in Stockholm, ansonsten gibt es sehr viel Platz, so gut wie keine Staus usw. Lange Öffnungszeiten im Supermarkt, Nummern ziehen am Postschalter etc. entschleunigen das, was bei uns oft nervt und Hektik verursacht.
Die Schweden verbringen sehr viel Zeit draußen und bewegen sich daher wahrscheinlich viel mehr als der Durchschnittsdeutsche. Der soziale Umgang ist sehr freundschaftlich. Dazu kommen eine hohe Gleichberechtigung, ein hoher Frauenanteil in Führungspositionen etc.
Alles Faktoren, die die Lebensqualität positiv beeinflussen. Eine Blaupause für uns!